Ferrara – die Fahrradstadt Italiens?

Wie fahrradfreundlich sind die Städte der Region Emilia Romagna im Norden Italiens?

Im Oktober habe ich innerhalb einer Woche Ravenna, Rimini, Ferrara und Bologna besucht.

Viele Fahrräder sind vor dem Bahnhof geparkt. Wege, die sich Radfahrende und Laufende teilen, führen Richtung Stadtzentrum. Dort allerdings tobt der Autoverkehr an diesem regnerischen Abend.

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Auch am nächsten Tag hängen graue Wolken tief über der Stadt. Daher entschließe ich mich, die Altstadt von Ferrara zu Fuß zu erkunden. Fasziniert beobachte ich, wie viele sich per Fahrrad über das knubbelige Kopfsteinpflaster der Straßen bewegen. Natürlich mit dem Regenschirm in der Hand. Bei einigen abgestellten Rädern wird der Schirm zum Schutz des Fahrrads vor dem stetig strömenden Regen genutzt. Trotz der engen und verschlungenen Straßen mit dem alten Pflaster fahren und stehen auch in Ferrara an jeder Ecke Autos herum. Eine Ausnahme ist die schmale und geduckte Via delle Volte, die Straße der Bögen, die im Mittelater der zentrale Handelsplatz für die Kaufleute der Stadt war.

Rund um den Wall von Ferrara per Fahrrad

Am Abend klart es endlich auf und ich steige auf das rosa Leihfahrrad meiner Vermieterin. Der Ring der alten Befestigungsanlagen von Ferrara führt auf 9km um die Stadt herum. Fast durchgängig ist es möglich, oben auf dem Wall – mit Blicken auf die Stadt und Umgehungsstraßen – oder auf einem gut ausgebauten Radweg unten entlang der Mauer zu fahren. Es gibt ein paar Unterbrechungen der Route und es müssen teilweise stark befahrene Straßen überquert werden. In dieser Beschreibung der Mura di Ferrara ist der Weg als 73% Pista Ciclabile & 27% Traffico Misto angegeben. Die Beschilderung ist nicht immer ganz eindeutig. Aber auf Fragen nach der „pista ciclabile“ wird freundlich Auskunft gegeben. Eine schöne Tour ist es, die ich mir mit einer der Spezialitäten von Ferrara zusätzlich versüße: Torta di Tagliatelle. Eine Mandeltorte mit zuckerbestäubter Nudeldecke zu Ehren der blonden Haare von Lucrezia Borgia.

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Fahrradtour von Ferrara nach Francolino am Po

Auch der nächste Morgen ist grau, aber trocken. Die Schilder mit Hinweisen einer Fahrradstrecke zum Po haben mich neugierig gemacht. Im Norden der Stadt, gleich außerhalb des Walls, liegt der große Parco Urbano. Dichter Nebel liegt über den Wiesen. Sehr gut ausgeschildert führt der Weg zunächst durch den Park, weiter vorbei an Feldern und Obstplantagen, immer auf einem asphaltierten Weg abseits der Landstraße bis in den kleinen Ort Francolino. Dort geht es steil hinauf auf den Deich. Ein breiter Radweg liegt hoch über dem Fluss. Es ist der FE20 Destra Po, von hier aus geht es direkt zum Po-Delta, wo der breite Fluss in die Adria mündet. Oder, in westlicher Richtung, nach Stellata di Bondeno. Nur wenige Menschen sind heute hier unterwegs, ein Spaziergänger und ein Radfahrer. In der Hochsaison ist diese leicht zu fahrende Strecke ohne große Höhenunterschiede sicher stark belebt.

Francolino war früher ein wichtiger Handelshafen, heute ist es ein verschlafenes Örtchen mit Kirche und wenigen Geschäften an der Hauptstraße. Ich setze mich vor die kleine Caffetteria Bar Sport für meinen Coffeeneuring-Stopp mit Cappuccino und Cornetto con Crema. Ein älterer Herr kommt mit Regenschirm in der Hand angeradelt. Es beginnt wieder zu tröpfeln. Die nette Männerrunde vor dem Café kommentiert bei meiner Abfahrt, dass die Signora ja gar keinen Schirm dabei habe!

Durch den Nieselregen rolle ich Richtung Ferrara und genieße die frische Luft und weite Blicke über die Felder. Ein Schild lockt mich auf den Hof einer Obstplantage. Riesige Körbe gefüllt mit Äpfeln warten dort auf die Abholung. Der Landwirt erzählt mir stolz, dass sie nach Deutschland geliefert werden. Ich schließe Freundschaft mit dem Hund mit den zweifarbigen Augen und lade köstliche Äpfel und Birnen in meinen Fahrradkorb.

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Fazit: Als Fahrradstadt würde ich Ferrara nicht bezeichnen

Obwohl offenbar eine große Zahl der Ferrareri Fahrräder besitzen und nutzen, beherrscht der Autoverkehr das Straßenbild. Ich erlebe viele riskante Überholmanöver auf den engen Straßen innerhalb der Stadt, denn Radwege sind hier nur dünn gesät. Die Innenstadt ist besser zu Fuß zu erkunden. Aber für die Fahrt rund um die Stadtmauer, in den Stadtpark und weiter in die Umgebung auf jeden Fall ein Fahrrad mieten.

Touristeninformation
im Hof des Castello Estense, dort gibt es auch einen kostenlosen Stadtplan inklusive einer Liste von Stationen für Fahrradverleih wie z.B. BiciDeltaPo, nur wenige Minuten entfernt.

Kulinarische Spezialitäten
Ferrara Pasticcio FerraresePasticcio Ferrarese – Pastete gefüllt mit Nudeln, Ragout & Béchamelsauce – unbedingt die, mit dem süßen Pastetenteig probieren, denn sonst ist es keine „echte“, wie mir die Dame in der Bäckerei erklärt.
Torta di Tagliatelle – köstliche Mandeltorte mit einer knusprigen Schicht zuckerbestäubter Pasta
Zu kaufen neben einem großen Angebot an Brot & mehr in der Panificio Pasticceria Perdonati – Via San Romano 108

Cappellaci di Zucca – mit Kürbis gefüllte Nudeltaschen serviert mit Fleischsoße oder Salbeibutter
gegessen in einem kleinen Eckladen Sale E Pepe – Via Carlo Mayr 132

Lieblingsorte
Salone dei Mesi im Palazzo Schifanoia – wunderschöne Fresken in einem Palazzo der Renaissance-Zeit.
Durch einen Nebeneingang geht es in den Hof mit einem kleinen Café und Stellplätzen für Fahrräder.

 

 

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2 Kommentare zu „Ferrara – die Fahrradstadt Italiens?“

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