Frostbike – ein Buch über das Radfahren im Winter

Buch Cover Tom Babin FrostbikeGerade ist er wieder getaut, der erste Schnee in diesem Winter. Aber schon Mitte der Woche soll es Nachschub geben. In diese Lücke passt perfekt die Lektüre von FrostbikeThe Joy, Pain and Numbness of Winter Cycling. Bisher nur auf Englisch erschienen.

Tom Babin ist Journalist und lebt in Calgary. Eines Tages entscheidet er, trotz Schnee und manchmal eisigen Temperaturen, auch im Winter die Strecke zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen. Frostbike beschreibt sehr unterhaltsam und gespickt mit Daten und Zahlen seiner Recherchen den Weg von den ersten – manchmal schmerzhaften – Touren hin zu einer neuentdeckten Liebe zum Winter und dem Radfahren in der kalten Jahreszeit.

Auf der Suche nach dem perfekten Winterfahrrad blickt Babin zurück auf die Anfänge des Radfahrens und die Entwicklung von Fahrrädern für das Gleiten auf gefrorenen Seen und Flüssen mit Spikes und Kufen bis hin zu den in Alaska erfundenen Fat Bikes, die mit ihren breiten Reifen das Radfahren im Schnee erleichtern. Für seine täglichen Fahrten findet er allerdings eine erstaunlich einfache und günstige Lösung: „I’m convinced just about any bike could get happily through a winter“. Ebenso simpel sind seine Ratschläge für Kleidung und Zubehör.

Das Fahrrad ist gefunden – wie sieht die ideale Winterfahrradstadt aus?

Die Grenzen, an die er gerät, sind nicht durch das Wetter geschaffen: „Maybe I also needed the perfect city“. In Abschnitt Season Two: The City reist er nach Oulu in Finland, das als beste Winter Cycling City der Welt gilt. Direkt nach seiner Ankunft um 1 Uhr morgens fährt er mit dem Fahrrad die 20km vom Flughafen in die Stadt hinein. Seine Beschreibung der Radwege ist so traumhaft, wie er sie in dem Moment empfunden haben muss.

Natürlich besucht Tom auf dieser Reise auch Kopenhagen und den Stadtentwickler Andreas Rohl sowie Copenhagenizer Mikael Colville-Andersen. Die Selbstverständlichkeit, mit der in Kopenhagen das Fahrrad genutzt wird, beeindruckt ihn: Nicht als Sportgerät, sondern als simples Mittel, um von A nach B zu gelangen. Und ebenso selbstverständlich wie die Fahrradnutzung ist in der Stadt die Bereitstellung von geräumten Radwegen und Abstellmöglichkeiten für das Fahrrad.

Berlin ist weit entfernt von diesen paradiesischen Zuständen

Radspuren, die unter von der Straße geräumtem Schnee verschwinden, vereiste Radwege, zugeparkte Wege und mangelnde Straßenbeleuchtung machen das Radfahren im Winter nicht einfach, aber auch nicht unmöglich.

Im letzten Abschnitt des Buches beleuchtet Babin die generelle Haltung gegenüber dem Winter. Sind wir durch die Medien beeinflusst, die Winterstürme zu angstschürenden Snowcalypses machen? Probieren wir das Radfahren und das Gehen & Laufen auf verschneiten Wegen gar nicht erst aus, da es gefährlich sein könnte?

Nur „Lebensmüde“ fahren im Schnee und du musst dafür extra tough sein?

Wenn du es dennoch tust, darfst du dich als Besonderheit feiern lassen? Bringt das mehr Menschen dazu, das Radfahren im Winter zu probieren?

Babin nimmt sich vor, seine Haltung zu ändern, um ein besseres Vorbild für andere sein zu können. Er spricht über den Spaß an der Bewegung in der kalten Luft. Er entdeckt spielerisch das Bedürfnis neu, frische Spuren in den Schnee zu legen. Der Winter ist meistens gar nicht so schlimm wie er beim Blick aus der warmen Wohnung aussieht.

Auch das Radfahren im Winter sollte nicht den Mutigen – oder wie manche sagen Waghalsigen – vorbehalten sein. Um unsere Städte und damit unser Leben positiv zu verändern, brauchen wir nicht mehr „Radfahrer“, sondern mehr Menschen, die das Fahrrad nutzen – frei nach einem Zitat von Colville-Andersen.

Absolute Leseempfehlung!

Tom Babin
Frostbike
RMB Rocky Mountain Books
ISBN 978-1-77160-106-1
Paperback ~20€ – auch als eBook erhältlich

In Berlin empfehle ich für den Kauf englischer Bücher Shakespeare & Sons in Friedrichshain & Saint George’s im Prenzlauer Berg.

Was ist „Snirt“?
Ich verlose mein Exemplar von Frostbike – versehen mit ein paar wenigen An- und Unterstreichungen – unter allen, die die richtige Antwort bis einschließlich 17. Januar in einem Kommentar hinterlassen.

 

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3 Kommentare zu „Frostbike – ein Buch über das Radfahren im Winter“

  1. Ohh ja, davon kann man auch in Berlin ein Lied singen. Sobald Schnee liegt existieren keine Radwege mehr. Egal ob auf der Straße oder auf dem Gehweg.

    „Snirt“: lustiges Wort! Mischung aus Snow und Dirt. Der Schneedreck der einem immer wieder zeigt wie viel Dreck und Schmutz Autos doch produzieren! Liegt leider immer da wo die Autos nicht langfahren/ daran vorbei fahren und man als Radfahrer leider oft hingedrängelt wird.

    Ich würde mich über das Buchexemplar total freuen. Hört sich interessant an!

    Carow

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  2. Snirt ist eigentlich Schneematsch, das was sich jetzt auf den Straßen sammelt, also eine Mischung aus Schnee und Dreck (Snow and Dirt), das typische Berlin Gemisch 😉

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