Lissabon 10 – Regentag

Morgens den Kaffee im italienischen Kocher auf dem Herd zubereiten. Das Fenster öffnen und den Himmel betrachten. Heute muss ich es jedoch schnell wieder schließen. Es schüttet und Wasser läuft über das schmale Fensterbrett in die Wohnung hinein.

Auf dem Weg zur Tram entscheide ich mich, zur Abwechslung einmal in die andere Richtung zu fahren. Es geht den Berg hinauf, durch das Viertel Graça mit vielen kleinen Geschäften. Ich entdecke weitere Lebensmittelläden und Konditoreien. Aber es stehen auch viele Ladenlokale leer.

Vor allem bei Regen, wenn die Scheiben der Tram beschlagen sind, ist es sehr schwierig, die Haltestellenschilder zu erkennen. In den alten Trams gibt es auch keine Anzeige oder Ansage. Nur die Abzweigung zur Burg hinauf kündigen manche der Fahrer an. Bisher habe ich übrigens noch keine Frau an den Kurbeln der Trams entdeckt. Diese Fahrt werde ich bis zur Endhaltestelle machen.

Sie endet im Viertel Baxia, in der Nähe der Praça da Figueira, einer der zentralen Plätze. Viele Klamottenläden gibt es hier, in einem Geschäft, das noch die Reklame für Schokoladenspezialitäten trägt, werden jetzt Dessous verkauft. Ein Laden mit einer großen Waage auf dem Tresen bietet Samen für Blumen, Gemüse und weitere Pflanzen an.

Ich betrete die Confeitaria Nacional, die älteste Konditorei der Stadt, wähle ein mit Puderzucker bestäubtes Gebäckstück aus und bestelle einen Kaffee dazu. An einem Stehtisch kann ich das Treiben auf dem Platz betrachten und die anderen Gäste, die am Tresen eine Suppe löffeln oder an den gemütlichen Tischchen sitzen. Wunderschön altmodisch und gemütlich.

Um die Ecke liegt die Klosterkirche São Domingos, grausamer Schauplatz der Inquisition und der Judenprogrome von 1506, ein Mahnmal vor der Kirche erinnert daran. Der Innenraum der Kirche ist eine Besonderheit: Nach einem Brand im Jahr 1959 wurde der Kirchenraum nach den Renovierungsarbeiten 1994 wieder eröffnet. Die Spuren des Feuers wurden belassen und die Decke ist in verschiedenen Rottönen gehalten, um sowohl an die Verfolgungen als auch den Brand zu erinnern.

Mit dem Elevador Santa Justa fahre ich in den Stadtteil Chiada hinauf. Der Regen wird stärker. So wenige Menschen sind sicherlich selten auf diesem Wahrzeichen Lissabons anzutreffen.

Nach der ältesten Konditorei der Stadt besuche ich nun die älteste Buchhandlung der Welt. Seit 1732 besteht die Livraria Bertrand in der Rua Garrett. Sehr modern wirkt sie, trotz der wunderschönen Rundbögen, glatt, mit wenig Atmosphäre. Später lese ich, dass das Unternehmen seit 2006 zunächst Teil von Bertelsmann war und dann an ein großes portugiesisches Verlagshaus verkauft wurde.

Mit dem kleinen Wasserfall, der die Straße hinunter rauscht, laufe ich zur Tram. Wieder in Graça angekommen habe ich ein lustiges Verständigungsproblem in der Metzgerei und kaufe in einem der kleinen Lebensmittelgeschäfte Käse aus der Region ein. Dazu eine Flasche Rotwein. Die Biere Super Bock oder Sagres lassen sich zwar frisch gezapft trinken, aber aus der Flasche schmecken sie mir nicht. Allmählich sehne ich mich ein ganz klein wenig nach einem schön herben Jever oder Flens.

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Lissabon 9 – Calouste Gulbenkian

Die Möwen haben einen ganz besonders schönen Platz gefunden, um sich das Salzwasser aus dem Gefieder zu waschen. Hoch über der Stadt, nördlich vom Parque Eduardo VII de Inglaterra, plantschen sie vor einem Café in einem Teich mit Springbrunnen. Ab und zu steigen sie auf und schütteln sich im Flug wie nasse Hunde. Im flachen Wasser an der Seite flitzen zwei Bachstelzen hin und her.

Möwen baden im Süßwasser Lissabon
Möwen im Süßwasserpool

Gerade habe ich viele Stunden in der Stiftung Calouste Gulbenkian verbracht. Ein Mann, der im Ölgeschäft ein Vermögen machte. In der Türkei als Armenier geboren, nahm er später die britische Staatsbürgerschaft an. Sein Wohnsitz war allerdings Paris, das er während des Krieges in Richtung Lissabon verließ. Die schon zu dem Zeitpunkt riesige Kunstsammlung gelangte ebenfalls dorthin. Er starb 1955 und verfügte in seinem Testament die Gründung der Stiftung. Das Museumsgebäude wurde von portugiesischen Architekten den Ausstellungsstücken angepasst gestaltet. Ungewöhnlich für Portugal, wo Museen häufig in bereits bestehende Bauten einziehen. Glücklicherweise konnte ich an der wöchentlichen Führung durch die Stiftung teilnehmen. Absolut zu empfehlen, da die Erläuterungen auf den Tafeln minimal sind. Zwar ist die Ausstellung geographisch und chronologisch gegliedert, aber bei über 6000 Exponaten sind Hinweise auf „Highlights“ hilfreich. Leider werden die Räume mit den Impressionisten und Skulpturen von Rodin gerade renoviert.

Durch den Park – für den es einen eigenen Naturführer gibt, wie ich später im Museumsshop entdecke – geht es weiter in das zur Stiftung gehörende Museum für Moderne Kunst. Auch dort wird eine große Fläche gerade umgestaltet. Im Rest des Gebäudes gibt es eine sehr informative Ausstellung in zwei Teilen. Zunächst zur Geschichte des Landes seit Beginn des 20. Jahrhunderts, illustriert mit vielen Fotos, Büchern, Zeitschriften, Karikaturen, Audio und Video. In einem weiteren Stockwerk, ebenfalls chronologisch geordnet und mit großformatigen Informationstafeln versehen, sind Malereien aus den 30er Jahren bis heute zu sehen.

Besonders interessant ist es, die Ausstellung mit einem südafrikanischen Philosophieprofessor, der auch an der Führung teilgenommen hatte, zu durchlaufen. Kunstbetrachtung aus ganz neuer Perspektive. Interessant auch die äußerst kritischen Bemerkungen zur Person Gulbenkian von dem Mann, der unsere Tickets am Eingang kontrolliert. Zeit, sich mehr anzulesen. Und vielleicht auch mal wieder einen Dürrenmatt, der auch Gulbenkian als Teil des Namens der alten Dame in Besuch der alten Dame verwendet.

Schon mal von der Band GNR aus Portugal gehört? Vor dem Besuch der Ausstellung heute kannte ich sie nicht. GNR steht für Grupo Novo Rock und ist eine Anspielung an die Abkürzung für Guarda Nacional Republicana, die portugiesische Sicherheitspolizei. Mehr zum Song, Thema EU-Beitritt Portugals, und der Band auf Wikipedia & auf Englisch in den Library Resources of the General Secretariat of the Council of the European Union.

Lissabon 8 – Pantheon

Als ich in Rom lebte, ich war dort ein halbes Jahr lang Au-Pair-Mädchen, hat mich das Pantheon magisch angezogen. Es war meine Oase in der hektischen und heißen Stadt. Dort konnte ich auf den kühlen Steinen sitzen und beobachten, wie sich das Licht, das durch die Öffnung der Rotunde einfiel, veränderte.

cropped-2017-01-29-10-52-16-4.jpgDas Pantheon in Lissabon ist kein Vergleich zum dem Gebäude aus der römischen Antike. Der Barockbau hier wurde im 17. Jahrhundert begonnen. Dann steckte der damalige König das Geld lieber in eine andere Kirche. Vollendet wurde das Pantheon während der Diktatur unter Salazar. Seit 1966 dient es im Stadtteil Alfama als Gedenk- und Ruhestätte für berühmte und besonders verehrte Menschen der portugiesischen Geschichte. Die Fadogesänge von Amália Rodrigues ziehen durch das Gebäude, auch sie ist hier bestattet.

Über breite Treppen kann man zu den Museumsräumen hinaufsteigen, durch Öffnungen zum Innenraum und nach draußen bieten sich immer wieder Ausblicke. Am Ende der Stufen zieht sich die Terrasse weit in alle Richtungen. Das Licht wird vom hellen Marmor der Kuppel und des Bodens reflektiert. Die wenigen Besucher verteilen sich, es ist friedlich und wunderschön. Ein Ort, an den ich vor meiner Abreise sicher zurückkehren werde.

Beim Spaziergang zurück vom – heute nicht sichtbaren – Sonnenuntergang fällt mir das erste Mal auf, wie gut gefüllt die Cafés in den Abendstunden sind. Neben Kaffee, den vielen Backwaren, herzhaften Blätterteig-Taschen und Kroketten wird dort auch Bier ausgeschenkt. Vielleicht sollte ich auf ein Café umschwenken für ein frisch gezapftes Glas. Denn die Hoffnung, dass ich einen Abend in dieser Stadt so fit sein werde, um mich in einen Bar zu setzen, schwindet.

Die letzte Nacht war unruhig. Gerade bin ich mit Ohrstöpseln eingeschlafen, Gründe dafür gibt es viele – abends Fernsehergeräusche und morgens die Familie aus dem Prenzlauer Berg, die über mir eingezogen ist – scheint das Gebäude zu wackeln. Ich öffne vorsichtig die Wohnungstür. Auf dem Treppenabsatz steht ebenso verschreckt schon der französische Nachbar. Zwei Stockwerke weiter unten hören wir aufgeregtes Geschrei, lautes Rütteln, Krachen und Klopfen und entdecken eine Polizeiuniform. Die Lösung: Zwei Frauen, die offenbar permanent im Haus leben, haben beide ihre Schlüssel in der gemeinsamen Wohnung vergessen. In Portugal wird in solchem Fall nicht der Schlüsseldienst gerufen, sondern die Polizei. Die dann mit Karacho die Tür aufbricht und anschließend die Personalien kontrolliert. Offenbar stimmmten die nicht überein, daher der Tumult.

Übrigens: An Sonntagen sind mehr Radfahrer als an den Wochentagen unterwegs. Sogar stylische Rennräder mit Menschen ohne Lycra-Höschen. Aber es keuchen auch einige gut ausgerüstete Mountainbiker die Hügel hoch.

Ich bin lieber Flaneurin. Hier und auch sonst.

Lissabon Tag 7 – Saudade

Kehre gerade ein wenig betrübt von einem Rundgang durch den Kiez zurück. Die Bars haben entweder noch geschlossen oder sind gähnend leer. Ich habe weder ein Buch noch etwas zum Schreiben dabei, um mich selbst zu unterhalten.

Außerdem hat es wieder geregnet und die zwar wunderschönen Steine der Gehwege sind leider auch äußerst rutschig. Das sagte auch unser Guide auf der Fahrradtour heute: Die mosaikartige Gestaltung der Gehwege begann nach dem großen Erdbeben, viele Arbeitsplätze wurden dadurch geschaffen. Heute verschaffen sie vor allem bei Regen den Krankenhäusern Arbeit.

Über die Fahrradtour werde ich einen Artikel für Berlin on Bike schreiben. Deshalb hier nur ein paar Fotos aus meinem Tweet von heute und ein großes Dankeschön an Carlos und das Team von Lisbon Bike Tour. Lissabon ist mit seinen sieben Hügeln scheinbar nicht die ideale Stadt zum Radfahren, aber die sehr informative geführte Radtour ist geschickt geplant. Die gut zehn Kilometer fahren sich sehr entspannt.

Bin übrigens nur ein wenig betrübt, da ich nicht ganz ohne Getränk von der Runde heimgekehrt bin. Im Spätkauf wurde mir ein Schluck Gin angeboten. Saúde! Aus Alentejo kommen viele gute Dinge.

Und ich habe einen neuen Schleichweg entdeckt. Morgen werde ich bei Tageslicht – und hoffentlich auf trockenen Sohlen – kreuz und quer durch die Alfama klettern. Es ist Zeit, einen ganzen Tag ausschließlich in diesem Kiez zu verbringen.

Übrigens – Saudade. Laut Fernando Pessoa etwas, das nur Portugiesen spüren können. Aber ich kenne das Wort. Dann darf ich doch auch, oder? Wenigstens solange ich hier bin?

Lissabon Tag 6 – Randnotizen

Bin platt, angenehm platt, von vielen Eindrücken, noch mehr frischer Luft, steilen Auf- und Abstiegen. Glücklicherweise schlafe ich sehr gut in dem gemütlichen Bett meiner Unterkunft.

Heute bin ich das erste Mal seit Tagen in keines der öffentlichen Verkehrsmittel gestiegen. Allerdings zog ich in den Sneakers los, die sich langsam auflösen. Nach einem leichten Regenschauer sind sie komplett durchweicht. Tut mir leid, Ethletic, gutes Konzept, Firmensitz in meiner Geburtsstadt Lübeck, aber die Qualität der Schuhe ist mies. Ich kann sie nicht weiterempfehlen. Beim ersten Paar brach die Sohle nach kurzer Zeit. Ich erhielt zwar schnell ein Ersatzpaar, doch bei dem lösten sich nach nur wenigen Tagen die Verklebungen. Auf die erneute Reklamation erhielt ich keine Antwort. An meinen Füßen prangen jetzt brandneue schwarze Gazellen.

In einem Café für einen Espresso und ein Gebäckstück eingekehrt. Bin so dankbar für die Geduld und Freundlichkeit, mit der meine Bestellungen in einem Sprachgemisch aus Portugiesisch, Italienisch und Englisch entgegen genommen werden.

Kein Tag ohne einen Blick aufs Wasser. Heute drückt der Wind die Wellen mit viel Kraft ans Ufer. Sie werden durch Gitter als kleine Fontänen bis auf die Fahrbahn der Straße hochgedrückt. Die Möwen sitzen trotzdem entspannt auf ihrem Stammplatz auf den Säulen im Tejo.

Das Museu do Aljube Resistencia e Liberdade, in dem ich heute war, wirkt lange nach. Viel zu wenig wusste ich bisher über die neuere Geschichte Portugals. Das Museumsgebäude diente als bischöflicher Kerker und war bis in die Zeiten der Diktatur hinein Gefängnis für politische Gefangene. Die Ausstellung zum Thema Widerstand in den Jahren 1926-33 während der Militärdiktatur und weiter von 1933-74 unter Salazar ist bedrückend und macht manche Parallelen zur deutschen Geschichte sichtbar, die Berichte von Zeitzeugen über ihre Arbeit im Widerstand, die Mittel zur Herstellung von Flugblättern, die Abhör- und Kontrollmechanismen des Staates. Im Abschnitt zum Kolonialismus sind leider viele Infotafeln nicht ins Englische übersetzt.

Deshalb – lesen und noch mehr erfahren möchte ich. Auch über die vielen Menschen, die auf der Flucht während der Nazizeit in Lissabon gelandet sind. Unter ihnen übrigens Frauen, die dadurch Aufsehen erregten, dass sie sich alleine in die Cafés und Gasthäuser der Stadt setzten.

Tag 5 – Museu da Electricidade

Im ehemaligen Kohlekraftwerk am Tejo ist schon seit 1990 das Elektrizitätsmuseum von Lissabon eingerichtet. 2006 wurde das Gebäude renoviert und die Ausstellung neu konzipiert. Seit letztem Jahr erhebt sich wie eine Welle das weißgekachelte MAAT -Museu Arte Arquitetura Tecnologia – daneben. Das Elektrizitätsmuseum ist nun ins MAAT integriert.

Die Website des MAAT ist grandios gestaltet. Was allerdings verwirrt: Das Museum hat noch gar nicht wirklich eröffnet. Dazu später mehr.

Mit meinem Ticket für 5€ betrete ich hinter einem Pärchen den Eingangsbereich des Museu da Electricidade. Die beiden drehen sich einmal im Kreis und sagen: „Aber, wir wollten doch in das weiße Museum.“ Der Eingang dazu sei ein Stück weiter am Fluss entlang und außerdem sei es momentan noch kostenlos. Also fordern sie ihr Geld zurück und stapfen weiter. Was sie nicht wissen: Das Elektrizitätsmuseum dient auch als Ausstellungsraum, Veranstaltungen finden hier statt, im oberen Stockwerk wird gerade eine Bühne mit Filmleinwand aufgebaut. Und die Ausstellung über die Geschichte des Kraftwerks ist fantastisch.

Ich bin zunächst völlig allein im Raum mit Bildern des Künstlers Eduardo Batarda: Misquoteros – A Selection of T-shirt Fronts. Bei T-Shirt-Fronts denke ich in an die unglaubliche Shirt- und Trikotsammlung eines Freundes. Den Bezug in der Ausstellung erkenne ich zunächst nicht. In durchnummerierter Folge setzt Batardo auf unterschiedlich farbigen, ähnlich gestalteten, an Rorschachtests erinnernden Hintergründen seine Sätze, Gedanken, Aussprüche, die sich laut Ausstellungsinfo auf seine Arbeit als Künstler beziehen. Sie lesen sich wie Lyrik, Schlagzeilen, Tagebuchzeilen. Durchaus denkbar als T-Shirt Fronts. Ob er mit Twitter vertraut ist?

Weiter in die Räume, die von der Geschichte des Gebäudes und Nutzung als Kohlekraftwerk berichten. Besonders eindrucksvoll ist der Kesselraum, dort werden die riesigen Rohre zum Zuschütten der Kohle noch bewegt. Zum Quietschen und Rütteln der Maschinen kommen Einspielungen von Rufen der Arbeiter. Einer der Kessel kann betreten werden. Die Funktion der Rohre, in diesem Fall die Zufuhr des Wassers, wird farbig sichtbar gemacht. Viele Fotos und Infotafeln illustrieren die harten bis unerträglichen Arbeitsbedingungen. Das Werk lief von 1909 bis 1951 im vollen Betrieb, bis 1972 nur noch als Ersatzstromzentrale.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Experimentierbereich, zugeschnitten auf Kinder und Jugendliche, und Informationen über moderne Energiegewinnung. Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte: Das Museum verfügt über ein großes Archiv an Fachliteratur zum Thema Energie. Es gibt einen Lesesaal vor Ort oder den Zugang per Internet.

Im strömenden Regen laufe ich weiter zum Eingang des MAAT, der sich unter dem tiefgeschwungenen Dach des Museums am Tejo befindet. Wasser strömt an den Außenwänden herunter, so dass viele kleine Wasserfälle durchschritten werden müssen. Ich freue mich auf einen Kaffee. Drinnen verspüre ich leichte Enttäuschung. Es gibt keinen Kaffee und als Ausstellungsfläche dient bisher nur das große Oval im Untergeschoss des Museums. Dort liegen locker vertreut Decken und Sitzbälle, überspannt sind sie von einem Netz. Ein paar Menschengrüppchen liegen, laufen und sitzen herum. Die Szene hat die Atmosphäre einer sehr kühlen und hippen Kita. Der Eingang zum Oval wird von Sicherheitskräften des Museums bewacht. Ich lese mich in die Info zur Ausstellung ein: Sie sind Teil Installation der französischen Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster. Die Idee hinter Pynchon Park ist, einen Raum zu schaffen, wie Aliens ihn zur Beobachtung der Menschen nutzen könnten. In einem Zirkel von 24min statt 24h wechselt die Beleuchtung zwischen Tageslicht und Dunkel.

Neben der Bushaltestelle gibt es ein Café. Der Bus kommt lange Zeit nicht, obwohl die Anzeigetafel ihn kontinuierlich in 5 Minuten ankündigt. Ich kaufe mir noch ein Gebäckstück, die Auswahl ist groß.

Heute bleibe ich in meinem Kiez Alfama. Die Sonne arbeitet sich gerade durch die Regenwolken. Vorhin schlugen die Tropfen hart ans Küchenfenster, gleichzeitig blickte ich vom Wohnzimmer aus auf blauen Himmel.

Tag 4 – Ausflug nach Cascais

Heute habe ich viel über den öffentlichen Nahverkehr in Lissabon nachgedacht. Und über Sonnenbrillen. Denn meine vor Jahren in Rom gekaufte, die habe ich heute auf dem Boden des Bahnhofs Santa Apolónia zerlegt.

Zugabteil für Fahrräder & Surfbretter Lissabon
Zugabteil für Fahrräder & Surfbretter am Bahnhof von Cascais

Nach dem Tag am Atlantik bin ich müde und hungrig. Deshalb gibt es heute mehr Fotos als Text. Und wer mir in einem Kommentar schreibt, in welchem Museum ich heute war – das ist das rote Gebäude – der bekommt eine Postkarte. Mit einem Motiv der Künstlerin, die in dem Museum ausgestellt ist.

War eben Dorade in der Lieblingstaverne essen und die Fotos laden noch immer im Schneckentempo in die Dropbox.

Deshalb noch ein Tipp, der unbedingt beherzigt werden sollte: Wenn in der recht leeren Taverna der Fernseher läuft und du denkst: „Interessiert mich nicht, das Programm, ich setze mich einfach an den Tisch drunter.“ Alle anderen interessiert es brennend und du wirst während der gesamten Mahlzeit angestarrt. Auch wenn tatsächlich knapp über deinen Scheitel hinweg gestarrt wird – es bleibt unangenehm. Die Dorade war sehr gut. Das Bier auch. Ein großes Bier wird hier übrigens im 0,3l-Glas serviert.

Blick vom Praia da Ribeira in Cascais
Blick vom Praia da Ribeira in Cascais
2017-01-25-13-29-58-1
Eindrucksvoller Bau & Ausstellung
Blick auf den Atlantik Cascais
Blick auf den Atlantik
Boca do Inferno Cascais
Boca do Inferno
Angler an der Steilküste Cascais
Angler an der Steilküste
Küste bei Cascais
Küste bei Cascais