Lissabon Tag 2 – Muskelkater

Beim Frühstück im Café Do Eléctrico ist San Francisco wirklich nicht weit. Der Tosta Mista wird mir mit mit den Worten „There you are, sweety. Enjoy!“ serviert. In die Sonne blinzelnd beobachte ich die Bauarbeiter und einen Polizisten auf der anderen Straßenseite. Mit einem kleinen Bagger wird eine Mauer eingerissen. Die freundliche Inhaberin des Cafés erzählt mir, das Gebäude sei ihre alte Grundschule. Sie wirkt traurig, bevor sie entschlossen sagt: „Change is good“.

Ich folge den Gleisen der Tram 28 weiter Richtung Innenstadt an wunderschönen Miradouros, wie hier die Aussichtspunkte genannt werden, vorbei. An einem sitzt jemand und spielt Gitarre. Überall machen Touristen mehr oder weniger gestellte Aufnahmen voneinander oder sich selbt.

Auf dem Weg entdecke ich das Museu do Aljube: Freiheit und Widerstand zur Zeit der Diktatur. Untergebracht ist es in einem ehemaligen Gefängnis. Leider ist die Website nicht zweisprachig, aber ich merke es mir für einen der Regentage, die sich in der Wetter-App ankündigen.

Am Tejo angekommen, tauche ich in die Tiefen der Metro ab, um eines der wiederaufladbaren Tickets zu kaufen. In den düsteren Gängen läuft säuselnde Popmusik. Sie soll wohl beruhigend wirken. Der bombastische Bau wirkt erdrückend. Wieder an der Sonne überfällt mich ein anderes Geräusch. Das Quietschen der metallenen Schiffsanleger ist Teil des Soundtrack eines Films, Fado, den ich vor einigen Monaten gesehen habe. Nichts für schwache Nerven und das Geräusch vergisst man nicht.

Statt Möwen picken Tauben im Sand nahe des Wassers und flattern nervös bei jeder Welle in die Höhe. Die Strandläufer dagegen sind Wandläufer auf den schräg ins Wasser abfallenden Betonbauten.

Nach so viel Wasser, entspanntem Weitblick, Wellengeräuschen und viel Sonne, bin ich vom Gewusel auf der Fußgängerzone im Stadtteil Baixa überfordert. An jedem Restaurant werde ich fast von Kellnern auf Gästefang in die riesigen mehrsprachigen Speisekarten eingewickelt. Ich biege scharf ab und steige über Stiegen und Gassen in Richtung der Burg hoch. Dann überfällt mich die Nachmittagsmüdigkeit. Mit einem Tütchen Pastel de Natas erhole ich mich in der Wohnung, lausche den Geräuschen vom Sportplatz in der Nähe und dem Quietschen und Läuten der Tram.

Mein Plan war, die Muskeln zu schonen. Der wird durchkreuzt. Die gemütliche Taverne hat geschlossen. Dann ist ein Filmteam im Weg und ich muss einen weiteren steilen Umweg laufen. Schließlich lande ich ein Stückchen die Straße hoch im Bezirk Graca bei einem Teller „Carne de Porco à Alentejana“ – ein Eintopf aus Schweinefleisch, Muscheln, Kartoffeln und in diesem Fall säuerlich eingelegten Karotten und Blumenkohl. Vorher Oliven und dazu ein Bier. Und weil ich weder richtig hingehört, noch verstanden habe, aber „sim“ antworte, gibt es heute einen Flanpudding und Espresso zum Abschluss. Trotzdem perfekte Bettschwere.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s