Tag 5 – Museu da Electricidade

Im ehemaligen Kohlekraftwerk am Tejo ist schon seit 1990 das Elektrizitätsmuseum von Lissabon eingerichtet. 2006 wurde das Gebäude renoviert und die Ausstellung neu konzipiert. Seit letztem Jahr erhebt sich wie eine Welle das weißgekachelte MAAT -Museu Arte Arquitetura Tecnologia – daneben. Das Elektrizitätsmuseum ist nun ins MAAT integriert.

Die Website des MAAT ist grandios gestaltet. Was allerdings verwirrt: Das Museum hat noch gar nicht wirklich eröffnet. Dazu später mehr.

Mit meinem Ticket für 5€ betrete ich hinter einem Pärchen den Eingangsbereich des Museu da Electricidade. Die beiden drehen sich einmal im Kreis und sagen: „Aber, wir wollten doch in das weiße Museum.“ Der Eingang dazu sei ein Stück weiter am Fluss entlang und außerdem sei es momentan noch kostenlos. Also fordern sie ihr Geld zurück und stapfen weiter. Was sie nicht wissen: Das Elektrizitätsmuseum dient auch als Ausstellungsraum, Veranstaltungen finden hier statt, im oberen Stockwerk wird gerade eine Bühne mit Filmleinwand aufgebaut. Und die Ausstellung über die Geschichte des Kraftwerks ist fantastisch.

Ich bin zunächst völlig allein im Raum mit Bildern des Künstlers Eduardo Batarda: Misquoteros – A Selection of T-shirt Fronts. Bei T-Shirt-Fronts denke ich in an die unglaubliche Shirt- und Trikotsammlung eines Freundes. Den Bezug in der Ausstellung erkenne ich zunächst nicht. In durchnummerierter Folge setzt Batardo auf unterschiedlich farbigen, ähnlich gestalteten, an Rorschachtests erinnernden Hintergründen seine Sätze, Gedanken, Aussprüche, die sich laut Ausstellungsinfo auf seine Arbeit als Künstler beziehen. Sie lesen sich wie Lyrik, Schlagzeilen, Tagebuchzeilen. Durchaus denkbar als T-Shirt Fronts. Ob er mit Twitter vertraut ist?

Weiter in die Räume, die von der Geschichte des Gebäudes und Nutzung als Kohlekraftwerk berichten. Besonders eindrucksvoll ist der Kesselraum, dort werden die riesigen Rohre zum Zuschütten der Kohle noch bewegt. Zum Quietschen und Rütteln der Maschinen kommen Einspielungen von Rufen der Arbeiter. Einer der Kessel kann betreten werden. Die Funktion der Rohre, in diesem Fall die Zufuhr des Wassers, wird farbig sichtbar gemacht. Viele Fotos und Infotafeln illustrieren die harten bis unerträglichen Arbeitsbedingungen. Das Werk lief von 1909 bis 1951 im vollen Betrieb, bis 1972 nur noch als Ersatzstromzentrale.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Experimentierbereich, zugeschnitten auf Kinder und Jugendliche, und Informationen über moderne Energiegewinnung. Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte: Das Museum verfügt über ein großes Archiv an Fachliteratur zum Thema Energie. Es gibt einen Lesesaal vor Ort oder den Zugang per Internet.

Im strömenden Regen laufe ich weiter zum Eingang des MAAT, der sich unter dem tiefgeschwungenen Dach des Museums am Tejo befindet. Wasser strömt an den Außenwänden herunter, so dass viele kleine Wasserfälle durchschritten werden müssen. Ich freue mich auf einen Kaffee. Drinnen verspüre ich leichte Enttäuschung. Es gibt keinen Kaffee und als Ausstellungsfläche dient bisher nur das große Oval im Untergeschoss des Museums. Dort liegen locker vertreut Decken und Sitzbälle, überspannt sind sie von einem Netz. Ein paar Menschengrüppchen liegen, laufen und sitzen herum. Die Szene hat die Atmosphäre einer sehr kühlen und hippen Kita. Der Eingang zum Oval wird von Sicherheitskräften des Museums bewacht. Ich lese mich in die Info zur Ausstellung ein: Sie sind Teil Installation der französischen Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster. Die Idee hinter Pynchon Park ist, einen Raum zu schaffen, wie Aliens ihn zur Beobachtung der Menschen nutzen könnten. In einem Zirkel von 24min statt 24h wechselt die Beleuchtung zwischen Tageslicht und Dunkel.

Neben der Bushaltestelle gibt es ein Café. Der Bus kommt lange Zeit nicht, obwohl die Anzeigetafel ihn kontinuierlich in 5 Minuten ankündigt. Ich kaufe mir noch ein Gebäckstück, die Auswahl ist groß.

Heute bleibe ich in meinem Kiez Alfama. Die Sonne arbeitet sich gerade durch die Regenwolken. Vorhin schlugen die Tropfen hart ans Küchenfenster, gleichzeitig blickte ich vom Wohnzimmer aus auf blauen Himmel.

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