Lissabon Tag 6 – Randnotizen

Bin platt, angenehm platt, von vielen Eindrücken, noch mehr frischer Luft, steilen Auf- und Abstiegen. Glücklicherweise schlafe ich sehr gut in dem gemütlichen Bett meiner Unterkunft.

Heute bin ich das erste Mal seit Tagen in keines der öffentlichen Verkehrsmittel gestiegen. Allerdings zog ich in den Sneakers los, die sich langsam auflösen. Nach einem leichten Regenschauer sind sie komplett durchweicht. Tut mir leid, Ethletic, gutes Konzept, Firmensitz in meiner Geburtsstadt Lübeck, aber die Qualität der Schuhe ist mies. Ich kann sie nicht weiterempfehlen. Beim ersten Paar brach die Sohle nach kurzer Zeit. Ich erhielt zwar schnell ein Ersatzpaar, doch bei dem lösten sich nach nur wenigen Tagen die Verklebungen. Auf die erneute Reklamation erhielt ich keine Antwort. An meinen Füßen prangen jetzt brandneue schwarze Gazellen.

In einem Café für einen Espresso und ein Gebäckstück eingekehrt. Bin so dankbar für die Geduld und Freundlichkeit, mit der meine Bestellungen in einem Sprachgemisch aus Portugiesisch, Italienisch und Englisch entgegen genommen werden.

Kein Tag ohne einen Blick aufs Wasser. Heute drückt der Wind die Wellen mit viel Kraft ans Ufer. Sie werden durch Gitter als kleine Fontänen bis auf die Fahrbahn der Straße hochgedrückt. Die Möwen sitzen trotzdem entspannt auf ihrem Stammplatz auf den Säulen im Tejo.

Das Museu do Aljube Resistencia e Liberdade, in dem ich heute war, wirkt lange nach. Viel zu wenig wusste ich bisher über die neuere Geschichte Portugals. Das Museumsgebäude diente als bischöflicher Kerker und war bis in die Zeiten der Diktatur hinein Gefängnis für politische Gefangene. Die Ausstellung zum Thema Widerstand in den Jahren 1926-33 während der Militärdiktatur und weiter von 1933-74 unter Salazar ist bedrückend und macht manche Parallelen zur deutschen Geschichte sichtbar, die Berichte von Zeitzeugen über ihre Arbeit im Widerstand, die Mittel zur Herstellung von Flugblättern, die Abhör- und Kontrollmechanismen des Staates. Im Abschnitt zum Kolonialismus sind leider viele Infotafeln nicht ins Englische übersetzt.

Deshalb – lesen und noch mehr erfahren möchte ich. Auch über die vielen Menschen, die auf der Flucht während der Nazizeit in Lissabon gelandet sind. Unter ihnen übrigens Frauen, die dadurch Aufsehen erregten, dass sie sich alleine in die Cafés und Gasthäuser der Stadt setzten.

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