Lissabon 8 – Pantheon

Als ich in Rom lebte, ich war dort ein halbes Jahr lang Au-Pair-Mädchen, hat mich das Pantheon magisch angezogen. Es war meine Oase in der hektischen und heißen Stadt. Dort konnte ich auf den kühlen Steinen sitzen und beobachten, wie sich das Licht, das durch die Öffnung der Rotunde einfiel, veränderte.

cropped-2017-01-29-10-52-16-4.jpgDas Pantheon in Lissabon ist kein Vergleich zum dem Gebäude aus der römischen Antike. Der Barockbau hier wurde im 17. Jahrhundert begonnen. Dann steckte der damalige König das Geld lieber in eine andere Kirche. Vollendet wurde das Pantheon während der Diktatur unter Salazar. Seit 1966 dient es im Stadtteil Alfama als Gedenk- und Ruhestätte für berühmte und besonders verehrte Menschen der portugiesischen Geschichte. Die Fadogesänge von Amália Rodrigues ziehen durch das Gebäude, auch sie ist hier bestattet.

Über breite Treppen kann man zu den Museumsräumen hinaufsteigen, durch Öffnungen zum Innenraum und nach draußen bieten sich immer wieder Ausblicke. Am Ende der Stufen zieht sich die Terrasse weit in alle Richtungen. Das Licht wird vom hellen Marmor der Kuppel und des Bodens reflektiert. Die wenigen Besucher verteilen sich, es ist friedlich und wunderschön. Ein Ort, an den ich vor meiner Abreise sicher zurückkehren werde.

Beim Spaziergang zurück vom – heute nicht sichtbaren – Sonnenuntergang fällt mir das erste Mal auf, wie gut gefüllt die Cafés in den Abendstunden sind. Neben Kaffee, den vielen Backwaren, herzhaften Blätterteig-Taschen und Kroketten wird dort auch Bier ausgeschenkt. Vielleicht sollte ich auf ein Café umschwenken für ein frisch gezapftes Glas. Denn die Hoffnung, dass ich einen Abend in dieser Stadt so fit sein werde, um mich in einen Bar zu setzen, schwindet.

Die letzte Nacht war unruhig. Gerade bin ich mit Ohrstöpseln eingeschlafen, Gründe dafür gibt es viele – abends Fernsehergeräusche und morgens die Familie aus dem Prenzlauer Berg, die über mir eingezogen ist – scheint das Gebäude zu wackeln. Ich öffne vorsichtig die Wohnungstür. Auf dem Treppenabsatz steht ebenso verschreckt schon der französische Nachbar. Zwei Stockwerke weiter unten hören wir aufgeregtes Geschrei, lautes Rütteln, Krachen und Klopfen und entdecken eine Polizeiuniform. Die Lösung: Zwei Frauen, die offenbar permanent im Haus leben, haben beide ihre Schlüssel in der gemeinsamen Wohnung vergessen. In Portugal wird in solchem Fall nicht der Schlüsseldienst gerufen, sondern die Polizei. Die dann mit Karacho die Tür aufbricht und anschließend die Personalien kontrolliert. Offenbar stimmmten die nicht überein, daher der Tumult.

Übrigens: An Sonntagen sind mehr Radfahrer als an den Wochentagen unterwegs. Sogar stylische Rennräder mit Menschen ohne Lycra-Höschen. Aber es keuchen auch einige gut ausgerüstete Mountainbiker die Hügel hoch.

Ich bin lieber Flaneurin. Hier und auch sonst.

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