Lissabon 9 – Calouste Gulbenkian

Die Möwen haben einen ganz besonders schönen Platz gefunden, um sich das Salzwasser aus dem Gefieder zu waschen. Hoch über der Stadt, nördlich vom Parque Eduardo VII de Inglaterra, plantschen sie vor einem Café in einem Teich mit Springbrunnen. Ab und zu steigen sie auf und schütteln sich im Flug wie nasse Hunde. Im flachen Wasser an der Seite flitzen zwei Bachstelzen hin und her.

Möwen baden im Süßwasser Lissabon
Möwen im Süßwasserpool

Gerade habe ich viele Stunden in der Stiftung Calouste Gulbenkian verbracht. Ein Mann, der im Ölgeschäft ein Vermögen machte. In der Türkei als Armenier geboren, nahm er später die britische Staatsbürgerschaft an. Sein Wohnsitz war allerdings Paris, das er während des Krieges in Richtung Lissabon verließ. Die schon zu dem Zeitpunkt riesige Kunstsammlung gelangte ebenfalls dorthin. Er starb 1955 und verfügte in seinem Testament die Gründung der Stiftung. Das Museumsgebäude wurde von portugiesischen Architekten den Ausstellungsstücken angepasst gestaltet. Ungewöhnlich für Portugal, wo Museen häufig in bereits bestehende Bauten einziehen. Glücklicherweise konnte ich an der wöchentlichen Führung durch die Stiftung teilnehmen. Absolut zu empfehlen, da die Erläuterungen auf den Tafeln minimal sind. Zwar ist die Ausstellung geographisch und chronologisch gegliedert, aber bei über 6000 Exponaten sind Hinweise auf „Highlights“ hilfreich. Leider werden die Räume mit den Impressionisten und Skulpturen von Rodin gerade renoviert.

Durch den Park – für den es einen eigenen Naturführer gibt, wie ich später im Museumsshop entdecke – geht es weiter in das zur Stiftung gehörende Museum für Moderne Kunst. Auch dort wird eine große Fläche gerade umgestaltet. Im Rest des Gebäudes gibt es eine sehr informative Ausstellung in zwei Teilen. Zunächst zur Geschichte des Landes seit Beginn des 20. Jahrhunderts, illustriert mit vielen Fotos, Büchern, Zeitschriften, Karikaturen, Audio und Video. In einem weiteren Stockwerk, ebenfalls chronologisch geordnet und mit großformatigen Informationstafeln versehen, sind Malereien aus den 30er Jahren bis heute zu sehen.

Besonders interessant ist es, die Ausstellung mit einem südafrikanischen Philosophieprofessor, der auch an der Führung teilgenommen hatte, zu durchlaufen. Kunstbetrachtung aus ganz neuer Perspektive. Interessant auch die äußerst kritischen Bemerkungen zur Person Gulbenkian von dem Mann, der unsere Tickets am Eingang kontrolliert. Zeit, sich mehr anzulesen. Und vielleicht auch mal wieder einen Dürrenmatt, der auch Gulbenkian als Teil des Namens der alten Dame in Besuch der alten Dame verwendet.

Schon mal von der Band GNR aus Portugal gehört? Vor dem Besuch der Ausstellung heute kannte ich sie nicht. GNR steht für Grupo Novo Rock und ist eine Anspielung an die Abkürzung für Guarda Nacional Republicana, die portugiesische Sicherheitspolizei. Mehr zum Song, Thema EU-Beitritt Portugals, und der Band auf Wikipedia & auf Englisch in den Library Resources of the General Secretariat of the Council of the European Union.

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