Lissabon 11.2 – Über den Tejo

In Hamburg am Gänsemarkt gab es die Essen & Trinken-Halle. Wenn wir von Lübeck aus zum Bummeln und Einkaufen in die Großstadt fuhren, war es immer sehr aufregend, hier zu essen. Im schlichten Kantinen-Ambiente suchte sich jede etwas nach ihrem Geschmack aus. An unserem Tisch trafen wir uns dann mit den Plastiktabletts zu einem internationalen Essen, meistens bestehend aus Griechisch-Italienisch-Chinesisch.

Das Konzept in der Lissaboner Halle Mercado da Ribeira ist also nicht neu. Auch in Berlin haben wir ein Beispiel für eine ähnlich ausgerichtete Umwandlung mit der Markthalle IX.  Aber hier ist es glattpoliert und mit nerviger Musik vollgedröhnt. Bei einem Blick auf die Preise, integrierte Souvenirshops und Touristeninformation schrillen zusätzlich die Alarmglocken. Mein Tipp, einmal hindurch  laufen, sich wundern und einen Blick in die Halle mit den Gemüseständen werfen. Die waren allerdings abgedeckt, der morgendliche Marktbetrieb beendet. Es ist ein Weg, die alten Markthallen, diese wurde 1882 erbaut, zu erhalten. Und das Kapital des Time Out Magazines sicher hilfreich. In meinen Augen abschreckendes Branding zieht entsprechend spendierfreudige Klientel an. Ich hatte nicht einmal Lust, Fotos zu machen. Schaut sie euch hier im Blog Mein Lissabon an, dem es auf dem Markt gefiel und schmeckte.

Gegenüber liegt der Cais do Sodré – Bahnhof für die Nahverkehrszüge wie nach Cascais, Metrostation, Bus- und Tramhaltestelle und Schiffsanleger. Drei verschiedene Fährverbindungen gibt es von hier aus über den Tejo. Ich wähle die kürzeste nach Cacilhas. Für etwa 1€ geht es auf eines der weiß-orange-farbenen Boote, die sich zusätzlich zur Strömung des Flusses heute gegen den wachsenden Sturm kämpfen. Am kleinen Fähranleger kann direkt in Busse und Metros umgestiegen werden, der verschlafene Ort ist Verbindung nach Almada und Pragal, Sitz von Fakultäten der neuen Universität von Lissabon.

Ich laufe am Ufer entlang, das von meist verlassenen und größtenteils verfallenen Lagerhallen gesäumt ist. Früher wurde auch hier Handel getrieben, später zogen Schiffsbauer ein.

Ein gesprayter NOFX-Schriftzug und daneben ein Snoopy mit Iro. Kurz bin ich in Gedanken weit weg in Berlin, San Francisco und bei meinem früheren Job bei Fat Wreck Chords. Irgendwo auf der anderen Seite des Flusses saß ich vor Jahren in einer Konzerthalle auf einer der Deconstruction Tours, wo ich außer vom Tourbus aus und der Halle nichts von Lissabon sah.

Ich setze mich neben einige Angler auf einen der alten Anleger, schaue auf den Fluss und die Stadt, genieße die Ruhe und atme tief den frischen Wind ein. Alle Viertelstunde tönt das hupende Signal der Fährboote. Schön ist es hier.

 

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