Lissabon 11.1 – Im Zeitungsviertel

Gibt es in Portugal eigentlich Pfandflaschen? Und wo stehen die Glascontainer? Fragen, die ich mir auf der Fahrt mit der Tram stelle. Denn es wird allmählich Zeit, ans Aufräumen und den Müll rausbringen zu denken. Der gemeine Hausmüll wird einfach in Säcken an die Straßenecken gestellt und täglich abgeholt.

Kurz bevor ich an der Praça Luís de Camões aussteige, lässt sich der Tramfahrer eine Zeitung durch die geöffnete Tür reichen. Wir sind im Bairro Alto, dem früheren Viertel der Redaktionen und Druckereien. Das erfahre ich aber erst später, als ich mich zum Lesen meines Reiseführers auf einer Bank niederlasse.

Vorher laufe ich im Zickzack durch die Straßen. Manche werden gerade mit Schläuchen saubergespritzt. Die Werbung an den  jetzt geschlossenen Bars und Restaurants zeigt, dass sich nachts die internationale Szene hier zum Feiern trifft. Das Friedrichshain Lissabons? Eines der Hipster-Blogs Berlins hat es  bereits dazu gekürt. Der Stadtteil entstand mit dem wachsenden Reichtum Lissabons in der Entdeckerzeit des 15. Jahrhunderts. Die wohlhabenderen Bürger bauten sich Adelspaläste an den breiteren Straßenzügen und zogen aus der Unterstadt in die neue Oberstadt. Hauptsächlich Handwerker errichteten sich Häuser in den schmaleren Gassen. Dieser Teil ist heute verkehrsberuhigt.

Im 19. Jahrhundert ließen sich Zeitungsredaktionen, Druckereien und mit dem Verlagswesen verbundene Menschen im Bairro Alto nieder. Allerdings eignete sich die Infrastruktur der engen Straßenzüge nicht lange für die Produktion, deshalb verließen viele der ansässigen Tagesblätter die Gegend wieder. Nur die Redaktion der täglich erscheinenden A Bola – die Sport- und Fußballzeitung Portugals – hat ihren Sitz noch auf der Travessa da Queimada. Der Name der nächsten Querstraße erinnert an die Gründung der Diário de Notícias, eine der großen Tageszeitungen Portugals. Am Miradouro São Pedro de Alcântara, wo ich samt Sandwich aus einer der kleinen Pastelirias eine Bank gefunden habe, steht ein Denkmal für den Zeitungsmacher Eduardo Coelho samt der Statue eines Zeitungsjungen.

Das Internet ist heute ähnlich lahm wie ich mich fühle. Zeit für einen Gang zum Lieblingscafé, um ein paar Karten und Briefe zu schreiben. Stürmisch ist es, mal schauen, ob mir der Wind ein solches Tempo wie dem Flug der Möwen verleiht.

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